Weltleitmesse SMM: Eine Branche auf Digitalisierungskurs

Das diesjährige SMM-Motto „Trends in SMMart Shipping“ traf den Kern: Die maritime Wirtschaft treibt den Einsatz digitaler Lösungen dynamisch voran. Vernetzte Flotten, intelligente Schiffssteuerung, 3D-Druck und autonome Schifffahrt – smarte Zukunftstechnologien standen bei den Ausstellern entlang der „Digital Route“ ebenso im Fokus wie auf den begleitenden Fachkonferenzen.

Der Prozess der Digitalisierung hat die maritime Wirtschaft voll erfasst. Die meisten Unternehmen in Schifffahrt, Schiffbau & Co. beschäftigen sich bereits intensiv mit der Frage, wie sich mit smarten Lösungen Effizienz und Nachhaltigkeit voranbringen und Arbeitsprozesse optimieren lassen. Weil das Thema alle Teile der Wertschöpfungskette betrifft, war es übergreifender Schwerpunkt der SMM 2018: Neben Hightech-Anwendungen zur sensorgesteuerten Fernüberwachung des Schiffsbetriebs treten satellitengestützte Plattformen und Steuermodule zur Vernetzung von Flotten. Um die logistischen Leistungen zu optimieren, werden mobile Tracking- oder Buchungs-Apps und eigene Kundenportale entwickelt. „Digitalisierung ist nicht das Ziel, sondern das Tool, mit dem maritime Transportsysteme die Anforderungen der Zukunft erfüllen können“, sagte der renommierte Schifffahrtsexperte Martin Stopford von Clarksons Research.

Halle B6 Ruder Fahrstand Schiffssteuerung
Messe SMM 2016 Hamburg Messe

Im Rahmen der Messe mit ihren 2.289 Ausstellern aus 69 Ländern konnten sich Interessenten maßge- schneiderte Pakete zusammenstellen, die ihr Unternehmen in Sachen Digitalisierung auf ein neues Level heben. „Vom wendigen Start-up, das spezielle Software-Applikationen anbietet, bis zum Schiffs- technik-Marktführer, der ein ganzes Portfolio von digitalen Anwendungen im Angebot hat, ist in unseren 13 Hallen mit ihren 93.000 m2 Ausstellungsfläche alles vertreten“, sagte Claus Ulrich Selbach, Geschäfts- bereichsleiter Maritime und Technologiemessen bei der Hamburg Messe und Congress GmbH. Im Vordergrund stehen dabei praktisch umsetzbare Lösungen, die den Anwendern konkreten Mehrwert liefern.

Von unbemannten Schiffen und gedruckten Ersatzteilen
Eines der faszinierendsten Themen ist die unbemannte Schifffahrt. Laut Maritime Industry Report sieht mehr als ein Drittel der Marktplayer darin eine realistische Option. Ein Glanzlicht setzt hier das nor- wegische Technologieunternehmen Kongsberg, das mit der „MV Yara Birkeland“ das weltweit erste autonome Elektro-Containerschiff konzipiert hat. Den Bau übernimmt die norwegische Fincantieri-Tochter Vard. Die Auslieferung ist für Anfang 2020 geplant, ab 2022 soll das Schiff dank GPS, Radar, Kameras und zahlreicher Sensoren ohne Crew unterwegs sein – und rund 40.000 Lkw-Touren pro Jahr ersetzen. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie eng die beiden Kernthemen „Smart Shipping“ und „Green Shipping“ miteinander verzahnt sind.

Auf der Produktionsebene sind Industrie 4.0 und Internet der Dinge zu bestimmenden Themen geworden – die effiziente und vernetzte Prozesssteuerung, mit der sich Kundenwünsche noch individueller und schneller umsetzen lassen. Eine Schlüsselrolle nimmt hier der 3D-Druck ein, der Zulieferern und Unter- nehmen ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. So werden sich in Zukunft etwa dringend benötigte Ersatzteile für Schiffe im nächsten Hafen oder sogar direkt an Bord drucken lassen, was den logistischen Aufwand reduziert und kostspielige Liegezeiten verhindert.

Foyer Ost Schiffbau virtuelle digitale Projektion Messe SMM 2016 Hamburg Messe 

Präsentiert wurde dazu in Kooperation mit dem Maritimen Cluster Norddeutschland (MCN) erstmals eine große Sonderschau zum Thema maritimer 3D-Druck“. Dort konnten Besucher neben verschiedenen Ausstellern aus dem Bereich der additiven Fertigung spannende Vorträge und Live-Vorführungen erleben – etwa aus dem Umfeld des neuen „Forum 3D Maritim“. Die auf unterschiedliche Prozessabschnitte spezial- isierten Aussteller repräsentierten die komplette Wert- schöpfungskette des 3D-Drucks von der Skizze bis zum fertigen Produkt. Das veranschaulichten die Anbieter eindrucksvoll direkt vor Ort beim Druck von Flügeln für Verstellpropeller. Dabei handelt es sich um klassische maritime Bauteile, die bisher in aufwendigen Prozessen konventionell gefertigt werden. Unter Nutzung additiver Fertigungsmethoden werden die Blätter, sogenannte Blades, in einer Druckzeit von voraussichtlich je acht bis zehn Stunden aus Duplex-Stahl auf einem Drucker des Unternehmens Gefertec gefertigt. „Bei unserem 3DMP‘-Verfahren lassen sich zahl- reiche unterschiedliche Materialien verarbeiten. Das eröffnet bei der Fertigung maritimer Bauteile völlig neue Möglichkeiten“, sagte Gefertec-Manager Marcus Ortloff.

Spannende Konferenzen und bessere Orientierung
Ganz im Zeichen der neuen Möglichkeiten, die moderne Technologien der Branche eröffnen, steht auch der „Maritime Future Summit“. Er liefert am Vortag den Startschuss für die Messe und ihre hochkarätig besetzen Fachkonferenzen. Am dritten September diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis darüber, wie sich die maritime Wirtschaft fit für die Zukunft macht und welche Technologien hier maß- gebliche Taktgeber sein werden. Digitalisierung, autonome Schifffahrt, Künstliche Intelligenz, 3D-Druck: Hinter vielen der visionären Themen verbergen sich schon heute konkrete Anwendungen, die an den Messeständen auf der Messe praktisch erlebbar wurden. „Den Besuchern bieten wir damit den perfekten Mix aus Theorie und Praxis“, sagte Claus Ulrich Selbach. „Unsere Digital Route navigiert die Interessen- ten zielsicher zu den Ausstellern, die sich schwerpunktmäßig mit Zukunftsthemen wie Digitalisierung beschäftigen. Schon heute einen Blick auf die Schifffahrt von morgen werfen – das gibt es nur auf der SMM“, so Selbach.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website unter: Maritime Future Summit, 3D-Druck und Digital Route.



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